Wie der alte Mönch traurig wurde

Fünfzig Jahre lang machte er im Kloster die Schuhe, mit seinen Händen und mit Freuden.
Er kannte die Füße aller Mönche der Gegend, und er sang den ganzen Tag.
Neulich wurde beschlossen, dass von jetzt an alle Schuhe zu bezahlen seien.
Da musste er von jetzt an die Kosten berechnen, Schuh für Schuh, und alle Stunden zählen, die er beschäftigt war. Es verging ihm die Freude, und er sang nicht mehr.

Phil Bosmans


TAIZÉ-ANDACHT
Wohn- und Lebensgemeinschaft
Gesänge und Gebete in der Altscherbitzer Kirche

Offen sein bedeutet, in allen noch etwas zu erwarten, in Hoffnungslosigkeit zu hoffen,
vor scheinbaren Grenzen und stärkeren Mächten nicht zu kapitulieren. Das heißt nicht,
gegen diese Mächte zu kämpfen, sondern verwirklichen, was sie behindern wollen.
Nicht Negation, sondern Position. Offen sein bedeutet, einladend, bereit sein, das Leben
mit anderen zu teilen, die Gemeinschaft suchen.

Offen sein heißt immer, einen Vorschuß an Vertrauen geben. Mehr von sich zeigen als andere,
um so Vertrauen zu schaffen. Wir sind besonders darauf angewiesen, Gemeinschaft und Vertrauen
in einer Welt des Individualismus und des Misstrauens zu erfahren.
Nach Möglichkeiten suchen, überall dort, wo wir wohnen, Orte des Sichverstehens, gegenseitiger
Freiheit, absichtsloser Freude, Orte echten Hörens und Besinnens zu finden.
Trotz aller Beeinflussung und andersartiger Eindrücke.

Frère Roger